Orient und Okzident treffen sich im Örtchen Lehmen

Erste Veranstaltung der Kulturinitiative „Lehmensart“ mit Musik und Musikern aus Bulgarien

LEHMEN. Ein Sommerabend wie im Bilderbuch, übersonnte Rebhänge, der Duft von Rosen und Holunder – die rechte Zeit zum Genießen von „Lehmensart“, einer neuen, aus privater Initiative heraus geborenen Veranstaltungsreihe in dem kleinen Moselort. Genau dazu haben sich zahlreiche Besucher an diesem Abend im stilvollen Hof der Lehmener Töpferei Bruns versammelt.


Es geht fast familiär zu, die Kasse übernimmt der Nachwuchs, am großen Tisch unter einem Baum unterhalten sich die Mitwirkenden des Abends mit dem geistigen Vater der Reihe, mit Dr. Karl-Jürgen Wilbert. Der hat schließlich als bulgarischer Honorarkonsul auch die Fäden zu den allesamt aus Bulgarien stammenden Musikern geknüpft, zu der jungen Akkordeonspielerin Veronika Todorova und dem noch recht frischgebackenen Trio „Sabor“. „Versammlung“, die deutsche Übersetzung des Namens, trifft’s tatsächlich. Die drei Mitwirkenden, der Geiger Atanas Kiev, der Dudelsackspieler Aleksander Kolev und der Akkordeonspieler Stanimir Georgiev, studieren allesamt in Trier und haben erst dort begonnen, gemeinsam Musik zu machen. Vor allem Folkloremusik ihrer Heimat rund um Varna, „eine agrarische Landschaft“, erzählt Kolev, „aber ganz anders als hier, eine große Ebene, in der vor allem Getreide angebaut wird, eine ‚Brotgegend‘“.

Trotzdem gibt es an diesem Abend nicht nur Wein und den eigens von einem ortsansässigen Winzer für „Lehmensart“ kreierten Rieslingsekt von der Mosel, sondern auch bulgarischen Roten – Völkerverständigung auf Genussart. Mittlerweile hat Veronika Tudorova, die seit sechs Jahren in Deutschland lebt, im Westerwald und gegenwärtig in Darmstadt Musikpädagogik studiert, ihr Instrument herbeigeholt. Ein Akkordeon, eigens von Vignoni, einer bekannten italienischen Werkstatt, für sie gebaut. „Ich wollte ein vergleichsweise kleines, kompaktes Instrument, das aber trotzdem viel Klang besitzt.“

Den kostet die Todorova, die auch in Italien beim dortigen Jazz-Akkordeon-Papst Renzo Ruggieri studierte, reichlich und virtuos aus. Da wird’s auf einmal im kleinen Töpferhof an der Mosel ganz international, mit Piazzollas Klassiker „Libertango“, mit Kompositionen von Ruggieri, in denen Tango und Jazz eine innige Verbindung eingehen, von der Interpretin noch zusätzlich und spielerisch mit eigenen improvisatorischen Ideen garniert. Die Drei von „Sabor“ bringen schließlich das bulgarische Element ins Spiel, in dem sich seinerseits Unterschiedlichstes mischt, mit Harmonien, die ihre orientalische Herkunft nicht verleugnen können und mit ungewöhnlichen Rhythmen, dem Erbe der slawischen Seite.
„Wir sind nun mal ein Grenzland mit einer bewegten Geschichte“, kommentiert Veronika Todorova. Zu „Lehmensart“ passt derlei Grenzgängerei der unangestrengten, lustvollen Art allemal. Die nächste Veranstaltung findet am 28. August statt, eine Ausstellung in der Schreinerei Urmersbach.

Quelle: Rhein-Zeitung vom 29.06.2010

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